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ADHS und ADS: 5 Mythen, die sich hartnäckig halten

25. März 2024 durch
ADHS und ADS: 5 Mythen, die sich hartnäckig halten
Yvonne Mengeringhaus

Wahrheiten und Mythen über ADHS und ADS

Rund um ADHS und ADS halten sich bis heute viele Missverständnisse. Das ist problematisch, weil solche Mythen dazu führen können, dass Betroffene sich schuldig fühlen, zu spät erkannt werden oder nicht die Unterstützung bekommen, die sie eigentlich brauchen. Fachlich wird heute meist der Oberbegriff ADHS verwendet, mit unterschiedlichen Erscheinungsformen, darunter auch eine vorwiegend unaufmerksame Form, die im Alltag oft noch als ADS bezeichnet wird.

Mythos 1: „ADHS haben nur Kinder“

Das stimmt nicht. ADHS beginnt zwar in der Kindheit, kann aber bis ins Jugend- und Erwachsenenalter bestehen bleiben. Viele Erwachsene merken sogar erst später, dass ihre Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation, innerer Unruhe oder Impulsivität zu ADHS passen könnten. Die CDC weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Menschen erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden.

Mythos 2: „ADHS ist eine Folge von schlechter Erziehung oder mangelnder Disziplin“

Auch das ist falsch. ADHS gilt als neuroentwicklungsbedingte Störung und ist nicht einfach das Ergebnis von „zu wenig Disziplin“ oder „falscher Erziehung“. Ein unterstützendes oder belastendes Umfeld kann zwar beeinflussen, wie stark Symptome im Alltag auffallen oder wie gut jemand damit zurechtkommt – aber es ist nicht die Ursache von ADHS.

Mythos 3: „ADHS betrifft nur Jungen“

Nein. Mädchen und Frauen können genauso ADHS haben. Das Problem ist eher, dass es bei ihnen oft anders auffällt und deshalb später erkannt wird. Nach Angaben des Duke Center for Girls & Women with ADHD zeigen Mädchen und Frauen häufiger unaufmerksame Symptome wie Desorganisation, Vergesslichkeit oder Probleme, Routinen einzuhalten, während starke Hyperaktivität und Impulsivität seltener im Vordergrund stehen. Dadurch werden ihre Schwierigkeiten oft übersehen oder anders eingeordnet.

Mythos 4: „Für eine ADHS-Diagnose reicht es, dass ein Kind sehr lebhaft ist“

So einfach ist es nicht. Für eine Diagnose reicht es nicht, dass jemand unruhig, impulsiv oder leicht ablenkbar wirkt. Entscheidend ist, dass mehrere typische Symptome über längere Zeit bestehen, in mehr als einem Lebensbereich auftreten und zu spürbaren Beeinträchtigungen führen. Zur Diagnostik gehören deshalb in der Regel nicht nur Gespräche, sondern auch standardisierte Verfahren, Informationen aus dem Umfeld und eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen möglichen Ursachen.

Mythos 5: „Medikamente sind die einzige Behandlungsoption“

Auch das stimmt nicht. Medikamente können für viele Menschen ein wichtiger Teil der Behandlung sein, aber sie sind nicht die einzige Möglichkeit. Laut CDC können je nach Alter und Situation auch Psychotherapie, Psychoedukation, Training, Unterstützung im Alltag oder eine Kombination verschiedener Ansätze sinnvoll sein. Welche Behandlung passt, hängt immer von der einzelnen Person, den Beschwerden und dem Lebenskontext ab.

Warum es wichtig ist, diese Mythen abzubauen

Falsche Vorstellungen über ADHS und ADS wirken sich direkt auf Betroffene aus. Sie können dazu führen, dass Symptome verharmlost, falsch interpretiert oder zu spät erkannt werden. Gute Aufklärung hilft dabei, ADHS realistischer zu verstehen, Schuldzuweisungen zu vermeiden und den Blick stärker auf passende Unterstützung zu richten. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht auf Klischees zu schauen, sondern auf die tatsächlichen Erfahrungen und Belastungen im Alltag.

Fazit

ADHS ist weder nur ein Kinderthema noch ein Zeichen von mangelnder Disziplin. Es betrifft nicht nur Jungen, wird nicht wegen bloßer Lebhaftigkeit diagnostiziert und lässt sich nicht auf eine einzige Behandlungsform reduzieren. Wer Mythen über ADHS abbaut, schafft mehr Verständnis – und oft auch den ersten Schritt zu passender Hilfe.

Quellen

  • CDC (2024): ADHD in Adults: An Overview sowie weiterführende Informationen zu Symptomen, Diagnostik und Behandlung. Überblick über ADHS über die Lebensspanne, Diagnosekriterien und Behandlungsoptionen.
  • Duke Center for Girls & Women with ADHD (abgerufen 2026): ADHD in Girls and Women: Key Facts. Übersicht zu geschlechtsspezifischen Unterschieden, späterer Diagnostik und typischen Hürden bei Mädchen und Frauen.
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